Eine Candidate Experience Perspektive von Andy Lein
„Das Inserat bleibt online, bis die Stelle besetzt ist.“Klingt logisch, oder? Doch was, wenn der Bewerbungseingang so überwältigend ist, dass dein Team im Screening-Chaos versinkt und die Qualität der Candidate Experience darunter leidet? Genau diese Frage hat mir kürzlich ein Talent Acquisition Lead mit über 20 Jahren Erfahrung gestellt, und im aktuellen Arbeitgeber-Markt ist sie aktueller denn je.
Hier mein Take: Nimm das Inserat offline, sobald du einen ausreichenden Talent-Pool an qualifizierten Bewerbenden hast. Nicht erst, wenn der Vertrag unterschrieben ist.
Warum „bis es fertig ist“ nicht immer die beste Strategie ist
Ja, theoretisch ist eine Stelle erst „fertig“, wenn sie besetzt ist.
"It's not done until it's done, right?" Das stimmt schon, aber wenn ihr einen Kuchen backen wollt, dann kauft ihr auch nicht so lange Zutaten, bis der Kuchen fertig gebacken ist. ;-)
In der Praxis geht es um mehr als nur um das Schliessen einer Vakanz. Es geht um:
- Qualität vor Quantität
Wenn du 50 qualitativ hochwertige Bewerbungen hast, aber nur 10 davon realistisch interviewen kannst, warum dann weiter sammeln? Jede zusätzliche Bewerbung, die du nicht zeitnah bearbeitest, ist eine verpasste Chance, Candidate Experience zu leben und generiert zudem keinen Mehrwert, sondern führt unweigerlich zu Frustration auf Seite der Bewerbenden. - Der „Club ist voll“-Mentalität
Stell dir vor, du lädst Gäste zu einer Party ein, aber der Raum ist schon voll. Diejenigen, die später kommen, verdienen zumindest eine ehrliche Ansage: „Dein Profil passt super, aber wir haben aktuell genug Kandidaten in der Pipeline und nur begrenzte Interview-Kapazität. Wir melden uns gerne wieder bei Dir, falls wir dennoch nicht zum Abschluss kommen.“ Transparenz schafft Respekt. Und Respekt bleibt in Erinnerung. - Prozess-Effizienz
Jede manuelle Bewerbung, die du nicht zeitnah bearbeitest, kostet dich nicht nur Zeit, sondern auch Glaubwürdigkeit. Ein Bewerber, der wochenlang auf eine Rückmeldung wartet, wird nicht begeistert sein, selbst wenn er am Ende eine Absage erhält. Daher gilt, alle Kandidaten in der Pipeline sollten zeitnah eine Antwort transparente und wertschätzende Antwort erhalten.
Wie du es richtig machst: 3 Praxistipps
- Definiere deine „ausreichende Pipeline“
Wie viele qualifizierte Bewerbende brauchst du, um die Stelle sicher zu besetzen? 5? 10? 15? Sobald dieser Pool gefüllt ist, nimm das Inserat offline. Punkt. - Kommuniziere proaktiv mit der „zweiten Reihe“
Die Kandidaten, die zu spät dran sind, verdienen eine klare, aber wertschätzende Nachricht: „Dein Profil überzeugt uns, aber aktuell haben wir genug starke Bewerbungen in der Pipeline - mehr, als wir mit unserer Interview-Kapazität abdecken können. Wir melden uns gerne bei Dir, falls sich kurzfristig etwas ändert. Vielen Dank für Dein Verständnis.“ Das ist keine Absage, sondern ein Türöffner für später. - Vermeide starre „Open/Close“-Daten
Offizielle Bewerbungsfristen klingen zwar strukturiert, aber sie schaffen unnötige Abhängigkeiten. Was, wenn sich die Stelle doch schneller füllt als geplant? Oder wenn ein Top-Kandidat erst nach „Fristende“ auftaucht? Flexibilität schlägt Bürokratie.
Ein starkes ATS kann helfen – aber sie ersetzen keine Strategie
Der Talent Acquisition Lead, der mich kontaktiert hat erwähnte seinen Wechsel von Lever zu Ashby. Beide Tools sind mächtig – wenn man sie richtig nutzt. Automatisierte Workflows, klare Pipeline-Übersichten und schnelle Kommunikationsvorlagen können helfen, den Überblick zu behalten.
Aber: Ein Tool ist nur so gut wie die Strategie dahinter.
Fazit: Weniger ist mehr – wenn es um Qualität geht
Die Devise lautet nicht „Je mehr Bewerbungen, desto besser“, sondern:
„Genug qualifizierte Kandidaten, um die Stelle sicher zu besetzen – und dann Schluss.“
Merke Dir: Sind die Zutaten erstmal gekauft, braucht das Kuchen backen nur noch Zeit - fertig.
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